Herbstgedanken, die Verbrauchsfrage und Visionen

Die Saison neigt sich dem Ende, die Abende werden länger und die ersten Holzscheite liegen im Ofen. Zeit sich zu besinnen! Was ist passiert im Dieseljahr 2011? Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten haben umtriebige Dieselschrauber erneut unter Beweis gestellt das Genie und Wahnsinn gut zueinander passen. Russell hat in bester Ratbike-Philosophie ein dreistes Dieselkrad erschaffen. Nimm verfügbare und günstige Teile, lass alles weg was nicht passt oder Probleme bereitet. Der Motor ist ein 64 Ps starker 1,9l Wirbelkammer-Saugdiesel, wie er z.B. ab 1991 im Golf III eingesetzt wurde. Der Rahmen ist russischer Herkunft. Der Motor allein passt tatsächlich längs in den Rahmen. Jedoch ist dann kein Platz mehr für ein Getriebe. Russell dachte sich, das bei 124 Nm Drehmoment eventuell auch ohne geht und hat das Getriebe einfach weg gelassen. Jetzt gibt die VW Kupplung die Rotation der Kurbelwelle direkt auf die Kardanwelle an einen BMW Endantrieb weiter. Diese Konstruktion war allein in diesem Jahr für 20000km gut, und der einzige Defekt war ein platter Reifen. Schwer zu glauben, ich weiss! Die Dieselmax ist jetzt aufgeladen. It’s Supercharged! Wer mehr Leistung haben will, der muss mehr Sprit verbrennen. Damit der verbrennen kann, muss mehr Luft in den Zylinder. Das macht man durch eine wie auch immer geartete Form von Gebläse. Der Antrieb dieses Gebläses kann per Abgasstrom erfolgen, der klassische Turbolader. Kommt bei Einzylindern erwiesenermaßen nicht so gut. Bleibt die mechanische Variante, der Kompressor. Dieser verrichtete Ursprünglich in einem Mercedes seinen Dienst, und verschafft jetzt dem Einzylinder der Dieselmax zu etwas mehr Füllung im Brennraum. Um den Kompressor anzutreiben ist eine durchaus Atemraubende Riemenkonstruktion nötig. Ergebnis der Operation ist jedenfalls, das die Schüssel nun als Gespann schneller rennt als vorher Solo. Wo ein verrückter Engländer ist, taucht auch bald ein zweiter auf. Unser Freund Whiskers hat sich, nachdem seine Punsun-Harley-Dieselson den Geist aufgegeben hat, einem neuen Projekt zugewendet. Noch ist das ganze im Rohbau, aber das Rolling Chassis ist schon beeindruckend genug. Er griff zu dem bewährten 2,3 l Vierzylinder Diesel aus einem Mercedes Transporter, OM 601 D 23 genannt. Wir sind sehr gespannt auf das fahrbereite Motorrad und wie schwer der ganze Brocken am Ende sein wird. Zurück nach Deutschland. Bastelrobi musste einsehen, das sein geplantes Dieselmotorrad, Modell „Satte Literschüssel“, einige ernsthafte Probleme aufwirft. Ein Einzylinder mit strammen 1008 cm³ Hubraum hat Abmessungen die in üblichen Motorradrahmen nicht so einfach unterzubringen sind. Daher hat er sich, quasi Zwischendurch, eines anderen Projektes angenommen. Er hat entdeckt, das man in dem Fußraum einer Vespa PX 200 einen Hatz E786 Einzylinder mit fröhlichen 624 cm³ stellen kann. Die Triebschwinde der Vespa bleibt einfach erhalten um Getriebe und Kupplung der Vespa weiter nutzen zu können. Der Zylinder fliegt runter, die Kurbelwelle raus. An ihrer Stelle dreht sich jetzt einfach eine gerade Welle, die per Zahnriemen von dem eingepflanzten Diesel in Rotation versetzt wird. Durch entsprechende Untersetzung der Riemenscheiben wird deren Drehzahl auf das nötige Niveau gehoben. Grenzgenial und completely mad, wie der Engländer jetzt sagen würde. Auch hier sind wir extremst gespannt auf das fahrbereite Ergebnis, welches uns hoffentlich nächstes Jahr präsentiert werden kann. Und nun zu etwas alltagstauglichem. Das eine K-BMW der ersten Generation (1982-1991) in der Lage ist statt des liegenden Vierzylinders einen stehenden Dreizylinder-Diesel aufzunehmen haben uns schon einige Daihatsu-befeuerte Modelle gezeigt. Das auch ein Smart-cdi-Triple möglich ist wissen wir auch seit 2 Jahren. Was wir bislang noch nicht gesehen haben ist ein Pumpe-Düse Dreizylinder aus dem Hause Volkswagen. Völlig unauffällig versteckt sich der 1,4l Pumpe-Düse TDI, wie er z.b. im VW Lupo zum Einsatz kam, in einer blauen K 100 RS. Jetzt eben K 1400 RS TDI. Eine völlig neue Dimension im Dieselmotorradbau. 75PS und 195Nm sind ein Wort und definitiv sogar mehr Leistung als man braucht. Die von Karl gebaute Maschine dreht bei Tempo 100 tatsächlich nur knapp über 2000 Touren. Das nenne ich mal entspanntes gleiten. Zudem ist das Motorrad eine ganz massive Demonstration dessen, was wir schon lange haben könnten. Das Basismotorrad ist 20 Jahre alt, und der Motor immerhin 10 Jahre. Mit diesen Komponenten kann sich, wer will und über das nötige Werkzeug verfügt, jeder eine große Tourenmaschine zusammenlöten, welche nur die Hälfte dessen verbraucht wie käufliche Motorräder. Dieses extrem niedrige Drehzahlniveau begeistert mich. Vor geraumer Zeit las ich einmal einen Artikel über eine Reise zum Nordkap mit 125ern. Schnell fahren darf man in Skandinavien ja eh nirgends, also kann es ja kein Problem sein mit 17, 12 oder vielleicht sogar nur 10 PS gen Norden zu tuckern. War es aber.Zumindest für diejenigen, welche den Artikel geschrieben haben. Wieso das? Meiner Meinung nach wegen der Nähmaschine unter dem Arsch. Eine Honda Innova dreht meines Wissens nach deutlich über 7000 Touren bei 100km/h. Der Drehzahlmesser meiner alten Z400 zeigte bei Serienübersetzung auch fröhliche 5500. Der meiner NTV steht bei 4500, und mein Boxer braucht nur 3500. Was meint ihr womit es sich am entspanntesten rollt? Und die 2000 und ein bisserl, welche bei Verwendung eines potenten Selbstzünders anstehen finde ich einfach nur Grandios. Meditation pur! Steh ich drauf! Wieviel muss und darf ich denn überhaupt so verbrauchen? Schauen wir uns doch mal ein wenig bei Spritmonitor.de um. So ein Lupo 1,4 TDI kann demnach in der Praxis wohl mit einem Verbrauch zwischen 4 und 5 Litern auf 100 km bewegt werden. Im Motorrad sollte der gleiche Motor aufgrund des geringeren Gewichtes wohl auf einen Verbrauch zwischen 3 und 4 Litern kommen. Wer eine vorsichtige Dieselhand hat, der mag vielleicht auch 2,5 Liter schaffen. Das passt zu den 2,7 Litern, welche Neil für seine Smart-Tiger als Durchschnitt angibt. Trotzdem Unfair irgendwie. 1,4 l zu 0,8 l Hubraum und auch bald die doppelte Leistung bei kaum höherem Verbrauch. Wie sieht es bei Serien-Benzinmotorrädern aus? Ganz vorne steht Hondas Innova mit Verbräuchen um die 2 l. Dann reisst es ein Loch, denn es gibt kein Modell welche die 20-30 PS Klasse dominieren würde. Die nächste deutliche Duftmarke setzten die F650 Einzylinder von BMW, die mit Verbräuchen von 3,5 l in der 50PS Klasse einsteigen. Sollen es 70 PS sein, dann treffen wir viele F800 von BMW und ER-6 von Kawasaki. Hier trifft man sich irgendwo zwischen 4 und 5 Litern. Bei über 100PS gibt es keine deutliche Dominanz eines Modells mehr, aber es fällt auf, das noch recht viele 1200er BMW Boxer mit Verbrauchswerten unter 5 Litern gelistet werden. Damit sind die Verbräuche im Schnitt tatsächlich gesunden, zugegeben. Da wir aber hier bei dieselkrad.info sind, zeigen wir das noch weniger ginge. Dazu passend erscheint mir übrigens ein Artikel auf Spiegel-Online: „So viel kostet uns der Bleifuß“

  • http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,787848,00.html

Eine Testrunde von 700km, einmal gemütlich, einmal hektisch. Durchschnittsgeschwindigkeit in einem Fall 109 km/h, im anderen 116km/h. Testverbrauch von 7,2 l bzw. 9,7 l. Einen Mehrverbrauch von 2,5 Litern und jede Menge Hektik für eigentlich nix. Das darf sich jetzt jeder auf der Zunge zergehen lassen. Das Auto war im übrigen ein flatschneuer BMW X3 20D. So ein sinnloser SUV. Ich besass einmal einen Ford Escort der 4. Generation (1986-1990) mit schön lautem 1.6 l KHD Diesel-Motor. Mit dem konnte man gar keine 7 Liter verbrauchen, selbst bei Dauervollgas nicht. Fortschritt wo bist du? Kann es sein, das du in die falsche Richtung läufst? Aber Richtig, wir brauchen dringend Heckkameras für Kleinwagen. Was auch helfen würde wären Journalisten, die normal motorisierten Fahrzeugen nicht immer so deutlich attestieren, das diese geradezu asthmatisch seien. Zudem diese Raserei ja wenig bringt, wie der Spiegel gerade mal wieder gezeigt hat. Das bringt mich zu einer Ausgabe des „mot Auto Journal“ aus dem Jahre 1974 aus meinem Zeitschriftenarchiv. Zum einen ist es erstaunlich, für welche längst vergessenen Automodelle in diesem Heft, neben der damals noch üblichen Zigarettenwerbung, geworben wird. Toyota Carina 1600 ST, Autobianchi A112, Fiat 132 GLS, DAF 66 und Peugeot 504. Noch erstaunlicher ist womit damals geworben wurde. Also welche Vorzüge man ins Licht gezerrt hat. So findet sich in der Anzeige für den kleinen Autobianchi folgender Satz: „ In unseren Städten von Morgen wird kein Platz mehr sein für Status-, PS- und Blechrekorde.“. Und in der Anzeige für den Peugeot 504 wird ein Motorjournalist mot folgenden Worten zitiert: „Bei Sparfahrt – und nur so sollten Sie heute autofahren – kam ich mit 7,9 Liter Normalbenzin aus.“. Dazu finden sich haufenweise Attribute wie wie wirtschaftlich, robust, langlebig, zuverlässig und sparsam. Die Welt hat sich weiter entwickelt. Wir haben Rückfahrkameras, Niederquerschnittsreifen und deutlich vollere Straßen. Wirtschaftlichkeit ist nur noch reine Werbeblenderei. Der oben erwähnte BMW hat seinen Normverbrauch von 5,6 Litern in der Praxis nicht ganz erreichen können. Ein Automagazin zerrt einen Golf Diesel der ersten Generation aus dem Museum und fährt mit ihm und dem aktuellen Modell eine Vergleichsrunde. Wohlgemerkt fahren die beiden Autos hintereinanderher! Der neue hat dummerweise mehr verbraucht. Peinlich, Peinlich. Macht aber nix, wir hauen dem Volk einfach eine neue „Think Blue“ Kampagne um die Ohren:

  • http://thinkblue.volkswagen.de/

Da wird tatsächlich der nur als Studie vorgestellte XL1 verwurstet, und der Lupo 3L, der auch heute noch das sparsamste Auto ist. Zumindest in meinen Augen ist das eher ein peinliches Armutszeugnis, und keine Werbung. Schaut mal, was wir mal tolles gemacht haben und hätten machen können. Apropos XL1! Wo ist er eigentlich, der Zweizylinder TDI? Im Jahre 2009 wurde von den Dächern gepfiffen, das der VW Up mit einem 800cm³ Zweizylinder TDI mit ca. 50 PS erscheinen würde. http://www.autobild.de/artikel/vorschau-vw-up–997594.html Jetzt ist der Up da, und vom Zweizylinder keine Rede mehr. Den Motor gibt es, zumindest in der Versuchsabteilung. In eben jenem XL1. Volkswagen selber hat in Pressemitteilungen damit geprahlt, das dieser halbierte Vierzylinder auf Großserientechnik basiert. Und es kommt noch dicker. Den Zweizylinder TDI gab es vor gut 20 Jahren schon einmal. In einem Versuchsfahrzeug mit der Bezeichnung Öko-Polo D.i.-G40. Ganz so schlecht kann die Kiste nicht gewesen sein, wenn es heute noch fahrende Exemplare gibt. Es sind eher die damals „nur“ 27 PS ohne Aufladung, mit dann 40 PS, vor denen man Angst hat. Weil einem ja jeder Journalist klar macht, das man sich damit besser nicht vom Parkplatz runtertrauen sollte. Die effektive Fahrzeit zur Arbeit wird zwar auch mit einem Porsche GT3 nicht wirklich kürzer, aber solche unwichtigen Tatsachen lassen wir mal lieber unerwähnt. Jede Menge weitere Infos, Bilder und auch ein Video zu dem Öko-Polo findet ihr in den folgenden Links.

Wie der ein oder andere möglicherweise schon weiss bin ich, was Zweizylinder angeht, ein wenig manisch. Ich habe zwei Beine, zwei Arme, zwei Hände und will auch zwei Zylinder haben. Weiterhin bin ich ein sehr großer Freund von Kardanwellen und Einarmschwingen. Honda ist Schuld. Die haben mit der NTV ein Motorrad gebaut, welches all diese Eigenschaften in sich vereint und einfach nicht kaputt geht. Zweizylinder und Diesel hatten bislang immer das Problem, das es gar keine entsprechenden Fahrzeugmotoren gab. Zwar einige Industriediesel, aber in einem Auto hat es nie einen Zweizylinder gegeben. Habe ich zumindest gedacht. Gut, die ca. 50 Öko-Polos, welche einmal in einem Flottenversuch gelaufen sind sind sicherlich keine Option. Hoffnung gibt aber das Wissen, das es davon tatsächlich noch fahrbereite Exemplare gibt. Und was sich vor meinem geistigen Auge da alles mit einem Zweizylinder TDI zusammenfügt gefällt zumindest mir selber. Die Praxis ist freilich unbarmherziger. Da schafft es die Zeit im Autotest den frisch vorgestellten VW Up mit einem Verbrauch von bis zu 9 Litern (Benzin) durch Rom zu scheuchen.

  • http://www.zeit.de/auto/2011-10/volkswagen-kleinwagen-up