Bei Piaggio gibt es mehr als Vespa

Der Zweizylinder ist das Herz mit Seele für viele traditionsreiche Motorräder. Der britische Parallel-Twin, der bayrische Boxer oder die V-Motoren für Harley, aber auch Moto Guzzi und Ducati währen ohne ihre Zweizylinder nicht das, was sie sind. Auch im PKW hat der Zweizylinder einigen Modellen die nötige Seele gegeben. Ganz vorn wohl der Ente, aber auch einem Fiat 500 reichten zwei Zylinder. In den Reihenvierzylinder passt so viel Seele anscheinend nicht hinein. Am ehesten noch in einer alten Z-Kawa in Verbindung mit einer 4-1 – aber das ist ein anderes Thema. Diese beseelten Zweizylinder sind allesamt Benzinmotoren. Entsprechende Selbstzünder gab es höchstens im Landmaschinenbau. Die Auswahl für unsere Dieselmotorräder war hier immer mager. Zwar gab und gibt es Industriemotoren von Kubota und Lombardini, aber die Viecher sind selten. Und Fahrzeugmotoren gab es einfach nicht. Den im Aixam verwendeten Industriediesel zähle ich nicht zu den Fahrzeugmotoren. Und während wir alle darauf warteten wann in Indien endlich die Dieselversion des Tata Nano das Licht der Welt erblickt krabbelt ganz heimlich still und leise ein anderer Vertreter aus seinem Versteck. Bei Piaggio wird schon seit 1992 der Daihatsu Hijet in Lizenz unter dem Namen „Porter“ produziert. Er gehört zur Gruppe der Kei-Trucks, einer aufgrund japanischer Gesetze existierender Fahrzeuggattung mit eher geringen Abmaßen. Und für eben diesen Mini-Transporter hat Piaggio jetzt einen neuen Dieselmotor im Programm. Das besondere daran? Es ist ein Zweizylinder! Das P120 getaufte Aggregat ist ein 1.2l Zweizylinder Commonrail Turbodiesel das die Euro5 Emissionsgrenzwerte einhält und dabei 47 kW (64 PS) auf die Kurbelwelle wuchtet. Entwickelt wurde der Motor in Zusammenarbeit mit der Motorenschmiede Ricardo. Ganz neu ist das ganze zugegeben nicht wirklich. Eine entsprechende Pressemeldung hat Ricardo schon am 6. Dezember 2010 veröffentlicht. http://www.ricardo.com/News–Media/Press-releases/News-releases1/2010/Ricardo-cooperates-with-Piaggio-on-development-of-clean-and-fuel-efficient-light-commercial-vehicle-engine-family/ In das Bewusstsein geraten ist das ganze tatsächlich nur deshalb, weil in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „lastauto omnibus“ ein Fahrbericht des neuen Piaggio Porter Diesel zu lesen ist. Geplant hatte Piaggio so etwas wohl noch viel länger. Denn bereits 2008 finden sich entsprechende Ankündigungen im Netz, welches glücklicherweise nicht viel vergisst. Damals war jedoch noch von einer Zusammenarbeit mit Daihatsu die Rede. Dort hat man aber den Diesel komplett an den Nagel gehängt und war damit kein sinnvoller Entwicklungspartner mehr. Vermute ich jetzt mal ganz dreist. Wer sich von dem Motor mal ein Bild machen will, der kann das bewegt in der größten Videosammlung des Internets tun: – http://youtu.be/YlAweWcpXVMhttp://youtu.be/XQMNYasQmoo Was sich Piaggio allerdings im weiteren dazu denkt kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Denn auf deren Internetseiten kann man keinen Porter P120 Diesel finden, nicht mal auf der Italienischen. Millionen für die Entwicklung, aber nicht ein paar Tausender um es auch allen zu erzählen? Verstehen kann ich das nicht. Während man in jeden Winkel schaut und sogar den ein oder anderen Stein umdreht, in der Hoffnung darunter doch noch ein Prospekt oder Datenblatt zu finden, macht man jedoch andere unerwartete Entdeckungen. Auf der italienischen Seite der Piaggio „Veicoli Commerciali“ wird ein weiterer Minitransporter mit dem Namen „Quargo“ angeboten. Und zu diesem schreibt man folgendes: „Quargo è spinto da un motore Diesel bicilindrico a iniezione indiretta di 686 cc in grado di sviluppare una potenza massima di 13 kW.“ – In diesem steckt ein 686cm3 Zweizylinder Diesel der 13 kW (17,7PS) leistet. Und dazu noch 4500 U/Min dreht! Und jetzt seit ihr dran! http://www.piaggioveicolicommerciali.it/it-IT/Family/45/Default.aspx http://www.piaggioveicolicommerciali.it/assets/668/Brochure_QUARGO_lowRes.pdf