Loremo – Die Briefkastenfirma

Totgesagte husten noch! Letzte Woche verschickte die LOREMO AG einen Newsletter. Diesen hat mir Arno freundlicherweise zugeschickt, da ich mich längst von dem Projekt abgewandt hatte. Loremo? Wer oder was ist das? Lange her ist das – sagen wir, wie es ist – Loremo ist eine Firma welche seit vielen Jahren ankündigt bald ein extrem sparsames Auto auf den Markt zu bringen. Am Anfang war es ein Diesel, dann Elekro, dann Hybrid, oder andersrum, ich kann mich nicht mehr erinnern. Und was erzählen die Herren uns nun Neues? Nix! Nur neue Versprechungen. Wieso ist das so? Wieso gibt es im Umfeld des Dieselmotorrads und anderen Effizienten Fahrzeugen diese gefühlte Häufigkeit von Vaporware? Eine Antwort darauf habe ich leider nicht. Die aus hauptsächlich heisser Luft bestehenden Produktankündigungen jedoch schon. Als da wären: Neander: Auf diversen Messen gezeigt und beworben.Das wars aber dann. Wenn ich nicht persönlich Leute kennen würde, die in Frankreich den fahrenden Prototypen gesehen haben, dann würde ich das Ding für einen Dummy halten. HDT: Hier ist es ähnlich. Ich kenne jemanden persönlich, der einen der Prototypen Probefahren durfte. Das Motorrad existiert wirklich. Nach eigenen Meldungen brauchte man 10 Jahre um 214 Exemplare für das US Marine Corps produzieren. Daneben stand immer wieder mal eine in den USA auf Messen, in einem Museum oder auch mal auf einem Motorradtreffen. Sogar zum schnellfahren auf dem Salzsee wurden mehrfach modifizierte Exemplare gebracht. Zuletzt wurde irgendwo zwischen Ankündigung und Gerücht publiziert das in Indien ein ziviler Ableger der M1030M1 gebaut werden soll. Vollkommen heiße Luft war vor vielen Jahren die Reanimation der Marke Jawa mit einer angeblich revolutionären Technologie. Weitere Warmluft-Gerüchte mag ich jetzt gar nicht auflisten. Wir haben in der Welt der Dieselmotorradfreunde zigfach gezeigt, das sich solche Motorräder bauen lassen, und das wir Kreationen auf Räder gestellt bekommen, welche uns die Industrie so nie bauen wollte. Wieso es jedoch daneben immer wieder diese Mischung aus Schönfärberei und Rohrkrepierer gibt entzieht sich leider meinem gesunden Menschenverstand. Ich hoffe das zumindest ein Teil davon auf „Gut gemeint“ zurückzuführen ist und die Projekte dann einfach nur in der kalten und brutalen Realität scheiterten. Das ist es, was ich gerne glauben würde. Was ich jedoch wohl eher glauben sollte, ist die Tatsache das hier einfach nur Fördergelder abgegraben werden. Im schwülstigen Text des Newsletters wird den Interessenten für Loyalität und Treue gedankt. Dann folgt erst einmal haufenweise Fülltext. Dann aber tatsächlich konkrete Ankündigungen. Lassen wir das ganze Gefasel beiseite und kümmern uns um diese Fakten. Zwischen Oktober und November will man eine demonstrative Langstreckenfahrt mit einem selbst entwickelten und patentierten Gas-Hybridmotor durchführen. Das müsste dann ja in den nächsten Tagen schon passieren. Alle weiteren Ankündigungen stellen wir zu diesem Zeitpunkt einfach mal zurück. Da können wir eventuell drüber nachdenken wenn die erste Realität werden sollte. Glauben tu ich nicht daran. Warum? Weil Loremo eine Briefkastenfirma ist. Nachdem Arno mit den aktuelle Newsletter weitergeleitet hatte, bin ich am letzten Wochenende mit dem Rad bei der auf der Webseite angegebenen Adresse in Dorsten vorbeigeradelt. Hinter der Barbarastrasse 50b konnte ich mir zugegeben auch schon im Vorfeld nichts beeindruckendes Vorstellen. Was ich vor Ort gesehen habe war dann noch etwas weniger als erwartet. Ein kleines Gebäude, im Erdgeschoss ein Tierarzt und leere Büros in der ersten Etage. Nur ein Briefkasten auf dem Loremo AG steht. Leute … AG … Aktiengesellschaft … dazu eine Holding mit Sitz auf den Tortola British Virgin Islands. Es mag ja sein das ich keine Ahnung von der Hochfinanz habe, aber eine dreiste Aneinanderreihung von nicht eingelösten Versprechungen kann ich dann doch erkennen. Denn was hat man der Öffentlichkeit in den nun rund zehn Jahren eigentlich mal gezeigt? Tatsächlich ein ganzes Auto. Eine Art moderner Messerschmidt Kabinenroller, dessen Motor rein akustisch ganz eindeutig als Ruggerini-Twin zu identifizieren war. Welcher genau lässt sich nicht sagen, da es diesen mit 750, 850 und 950cm³ Hubraum gibt. Auch wenn der Ansatz einer windschnittigen Flunder prinzipiell richtig ist, reicht ein gerade einmal rustikal rollfähiger Prototyp nicht so ganz. Ohne an so Kleinigkeiten wie die Zulassung zu denken könnte Schnellschweißer Heiko ein solches Gefährt sicherlich in einem Monat auf die Räder stellen. Ich gehe jede Wette, das wir entgegen allen Ankündigungen weder dieses Jahr noch im Anfang des nächsten Jahres irgendwas konkretes aus Dorsten zu sehen bekommen. Und die nächsten Ausreden werde ich mir dann nicht mal mehr ansehen. Ei drüber und abhaken.