ZweiradVielstoff Militär-MotorradIn theDiesel-Tugenden und Motorradfahren haben sich bislang gegenseitig ausgeschlossen - Bis heute. Von Peter Henshaw. Übersetzt von Rafael Häusler.
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| Dieselmotorräder waren in der Vergangenheit nicht viel mehr als exzentrische Kuriositäten - bis heute. Die Enfield Robin machte Schlagzeilen mit ihrem Verbrauch von 1.4 l/100 km, aber eine absolute Höchstgeschwindigkeit von 105 kmh sind für einen ernsthaften Alltagsbetrieb nicht ausreichend. Und da war Herr Boccardo, der mit Mitteln der Französischen Regierung einen grossen Tourer entwickelte, welcher von einem Citroen AX Dieselmotor angetrieben wurde. An einem kritischen Punkt verschwand er jedoch und es hat den Anschein als würde Interpol ermitteln. Das Vielstoff Militärmotorrad ist anders. Es ist das erste vorsätzlich entwickelte Dieselmotorrad. Es läuft über 130 km/h und verbraucht 2 Liter auf 100 Kilometern. Wieso wurde es gebaut ? Seit einigen Jahren gibt es eine NATO Direktive sämtliche Fahrzeuge mit Diesel oder Kerosin zu betreiben. Und dies macht Sinn. Naben den üblichen Vorteilen von Diesel - Wirtschaftlichkeit, größere Reichweiten und geringe Entflammbarkeit - hat man jetzt nur noch eine Sorte Kraftstoff auf den Schlachtfeldern, und nicht mehr Benzin und Diesel. Stuart McGuigan und John Crocker vom Royal Military College of Science kennen alle diese Punkte und begannen bereits im Jahre 1992 mit den Arbeiten an ihrem Dieselmotorrad. Welche Mitlerweile vom Erfolg gekrönt wurden. Was die NATO brauchte, war etwas, das nicht schwerer war als die bislang üblichen Benzingetriebenen Motorräder, jedoch mit einer Reichweite von 400 km und einer verwertbaren Leistungsausbeute. Wenn man sich vor Augen hält, das der 412 ccm Einzylinder der Enfield Robin gerade 8.5 PS mobilisiert erscheint dieses als ein sehr hoch gestecktes Ziel. Die Erfolge und steigende Leistung der Dieseltechnologie im Auto in der letzten Dekade lassen jedoch Hoffnung aufkeimen. Die Motor der Robin ist ein simples Aggregat welches grundsaetzlich zum Antrieb von Wasserpumpen oder Generatoren erdacht wurde. | Der Motor des MFCM - Ein Acronym der Militärs für ihr neues Dieselmotorrad - ist gänzlich anders konzipiert. Vier Ventile, Zweistufige Vorkammern, Wasserkühlung und Vorkammereinspritzung. "Vorkammertechnik ist der einzige Weg zu vernünftiger Leistung ohne Turboaufladung" sagt Stuart McGuigan. Turboaufladung für einen Einzylindermotor ist problematisch, erhöht Gewicht, Kosten und Komplexität. Alles Eigenschaften die unerwünscht sind. Militärmotorräder haben ein hartes Leben, werden hart gefahren und das oft im Gelände. Sie müssen Flugzeugtransporte und anderes über sich ergehen lassen. Der erste Prototyp war Luftgekühlt und basierte auf einer Enfield Bullet mit seperatem Getriebe und Kickstarter. Techniken die im heutigen Motorradbau definitiv als überholt gelten. Aber es funktionierte. Ich fuhr die Maschine für das "Diesel Car Magazine" (September 1996) und wahr beeindruckt von der gebotenen Leistung. Mit 23 PS konnte man zwar noch keine Bäume ausreissen, aber der Motor verfügte über ordentlich Dehmoment und zog gut. "Sie muss universell sein" sagt McGuigan. "Heutzutage nutzen die Militärs Motorräder für viele Zwecke. Sie dienen zur Erkundung und müssen sich auf Asphalt genauso wohl fühlen wie auf losem Untergrund um z.b. wie ein mechanischer Hütehund einen Convoy zusammenzuhalten." Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h und einem Verbrauch von 2.4 l/100 km erfüllte die Maschine die Erwartungen. Im nächsten Schritt galt jemanden zu finden der bei der Entwicklung helfen und eine Produktion auf die Beine stellen kann. Rettung durch das Militär: Der fahrbare Prototyp machte die Runde bei europäischen Motorrad- sowie Dieselmotorherstellern, aber niemand zeigte Interesse. "Wir waren kurz davor aufzugeben, als sich die US Marines bei uns meldeten." erinnert sich McGuigan. Es stellte sich herraus, das die Marines seit längerer Zeit nach einem Dieselmotorrad suchten. |
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| Das neu konstruierte Dieselaggregat sitzt in einem Kawasaki KLR Rahmen, von der überraschend viele Teile übernommen worden sind. "Unsere Philosophie war es soviel wie möglich von der KLR zu nutzen." sagt McGuigan. Sinnvoll, denn die Kawasaki ist seit einigen Jahren in Stückzahlen auf dem Markt. Die gesammte Kraftübertragung - Kupplung, Getriebe und Sekundärkette - ist original Kawasaki geblieben, wie der Rest des Rahmens auch. Die KLR ist nicht der letzte Schrei und die Enduros der neusten Generation , mit ihren vielfach einstellbaren Federelementen und hochdrehenden Motoren, sind im Gelände schneller. Aber solche Motorräder sind zu spezialisiert für das Militär. High-Tech ist gut auf der Moto-Cross Strecke, aber in der Wüste sind Einfachheit und Zuverlässigkeit wichtiger. Die wichtigste Eigenschaft des Motorrads ist jedoch eine andere. Gewicht, oder besser, das fehlen zusätzlichen Gewichtes. Dieses Dieselmotorrad wiegt nur einige wenige Kilogramm mehr als die KLR aus Kawasakis Verkaufsräumen. Mit einem kleineren Tank (Den man sich dank des geringen Verbrauchs erlauben kann) kommt man auf das gleiche Gewicht. | Die Probefahrt: Das Anlassen stellt sich ungewohnt dar. Glühkerze einschalten, Dekompressionshebel ziehen und aufs Knöpfchen drücken. Den Deko-Hebel wieder zurückschieben und der Motor erwacht mit dieseltypischen Geräuschen zum Leben. Oder auch nicht. An diesem Tag liess sich die Maschine nur von John Crocker zum Leben erwecken. Bis dahin waren bereits zwei Batterien "leergeorgelt". Das Problem liegt im Bereich des Einspritzzeitpunktes. Dieser lässt sich für den Startvorgang nicht verstellen. Ein neues System soll hier bald Abhilfe schaffen. Nachdem die hohe Sitzbank erklommen ist kann der erste Gang eingelegt werden und es geht los. Ich kann nicht sagen das sich die Maschine wie ein Benzin-Motorrad fährt, denn das tut Sie nicht. Durch die große Schwungmasse hat der Motor nicht die schnelle Gasannahme. Aber mit grossem Drehmoment bei niedrigsten Drehzahlen präsentiert Sie genau die Charakteristik die man für den Off-Road Einsatz benötigt. Nach Aussagen der Testfahrer der US Marines fährt sich die Maschine im Gelände angenhmer als die bislang eingesetzte Kawasaki, dank hohem Drehmoment sind weniger Gangwechsel nötig. | Ein Umstand den viele der Fahranfänger beim Militär als positiv schätzen, da sich z.b. ein Anfahren am Berg auch einfacher gestaltet. Das alles ist sehr gut für den Einsatz bei den US Marines, wo die Maschine zu 90% im Gelände gefahren wird. Bei der Britsh Army jedoch wird die meiste Zeit auf Asphalt gefahren. Zeit zu testen wie sich die Maschine auf winkligen Landstrassen fahren läßt. Sie hat nicht das Enfield typische "Eine Zündung pro Laternenpfahl"-Feeling, ermöglicht jedoch ebenfalls eine entspannte Fahrweise. Die Maschine ist aufgrund der Geländetauglichkeit relativ kurz übersetzt. Auf Asphalt gilt es so schnell wie möglich den letzten Gang zu erreichen und auf der Drehmomentkurve zu surfen. Der Motor macht glaubhaft, das das Drehmoment zwischen 2000 und 4500 nahezu konstant ist. Wer will, kann das Motorrad im zweiten Gang zügig bis 80 km/h ziehen, dieser Diesel ist überraschend drehwillig. Die Art und Weise wie die Maschine bis 110 km/h beschleunigt läßt die Versprochene Höchstgewindigkeit von 130 km/h glaubhaft erscheinen. Ich habe keine Stoppuhr dabei, aber das Datenblatt sagt sie Beschleunigt von 0 auf 96 km/h in 10.4 s. | Das ist schnell genug für den Aufgabenbereich der Maschine. Es gibt Vibrationen, diese sind jedoch nicht störend. Die Handlichkeit entspricht Enduro-Standard. Bremsen und Federung ebenfalls. Die Technologie erfüllt die gesteckten Ziele. Um das zu belegen nahm McGuigan im letzten Sommer an der National Rally teil. Das ist ein 500 Meilen Langstreckenrennen bei dem 20 Checkpunkte in weniger als 24 Stunden abgefahren werden müssen. Er hat es geschafft, bekam einen Sonderpokal und brauchte als einziger nicht nachtanken. Für Diesel PKW Besitzer sind Reichweiten von 800 km pro Tankfüllung nichts besonderes mehr, aber für Motorradfahrer, die es gewohnt sind spätestens alle 250 km zu tanken ist das unglaublich. Fazit: Auf der Straße und im Gelände ist dieses Dieselmotorrad genauso fahrbar wie jedes benzingetriebene. Nur mit größerer Reichweite, geringerem Verbrauch und den anderen Dieseltypischen Vorteilen. Beim Händler braucht man sich leider noch nicht nach der Maschine umsehen, bislang gibt es keinen Vertrieb in der Zivilen Welt. Aber ich sehe hier eine Idee deren Zeit gekommen ist.
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