Initiator des Dieselmotorradtreffens verstorben

Ohne ihn wäre das hier alles nicht.

Jetzt ist er nicht mehr.

Am Sonntag, den 13.12.2020 erreichte mich völlig überraschend die Nachricht vom Tode Reinhard Hötgers. Zu dem Zeitpunkt gab es bereits unmittelbar viele Beileidsbekundungen im Honda Innova-Forum, welches seit einiger Zeit Reinhards Internet-Wohnzimmer war. Ich hoffe er sieht mir nach, dass mir in dem Moment die Worte fehlten und ich nur den Link zu der Nachricht in der Dieselkrad-Facebook-Gruppe geteilt habe. Auch fünf Tage später später weiss ich nicht wirklich wie man einen Nachruf verfasst und erzähle euch daher die Geschichte, wie ich Reinhard überhaupt getroffen haben und was das mit den Dieselmotorrädern zu tun hat.

Irgendwann im Sommer 2001 hörte ich davon, dass jemand ein Treffen für Dieselmotorräder veranstalten wollte. Also für Motorräder, die es eigentlich gar nicht gibt. Es gab die Enfield Taurus mit ihren 6,5PS aus Indien. In Europa baute man stärkere Motoren von bis zu 9PS ein.
Ich hatte die wilde Idee von einem ganz anderen Dieselmotorrad im Kopf. Reinhard war einen bedeutenden Schritt weiter. Denn er hatte sich ein solches gebaut und wollte wissen, ob da draussen noch andere sind. Und so hatte er damals auf seinen kleinen Hof in Arle geladen. Einige Andere und auch ich folgten seinem Ruf und verbrachten ein Wochenende ganz ohne Verschwörungstheorien unter Andersdenkenden.

Reinhard auf dem Dieselmotorradtreffen 2001 in Arle

Dazu sei erwähnt, das der Dieselmotorradfahrer so selten ist, dass er normalerweise nie einen anderen Dieselmotorradfahrer trifft. Wir hatten an diesem Wochenende immerhin ein Dutzend Maschinen vor Ort und auf der Straße. Die „Motorrad“ kam vorbei und brachte einen Artikel. Reinhard präsentierte seinen Eigenbau – Die Ruggerini. 850ccm. Zwei Zylinder. ca. 20 PS. Die läuft locker 120km/h und spielt damit in einer ganz anderen Liga als die Enfields, welche auf der Autobahn Hindernisse für die LKWs waren.

Das Treffen war klein, aber durchaus famos. Ich hatte nur die Idee im Kopf und damit begonnen eine Webseite zu dem Thema zu bauen. Aber Reinhard hatte schon ein Dieselmotorrad gebaut, mit dem man einfach so auf der Autobahn rumfahren konnte.

Wo viel Licht ist, findet sich auch immer Schatten. Zwei Dinge, die wir normalerweise nicht so laut erzählen, die mir aber in diesen Tagen wieder durch den Kopf gehen. Zum einen ist Reinhards damalige Partnerin kurz vor dem Treffen vorstorben. Ich habe Sie nie kennengelernt und wenn ich mich recht erinnere, dann war es ein Unfall. Dieser Umstand hätte fast dazu geführt, dass es das Treffen nie gegeben hätte.
Zum anderen fand das erste Treffen am zweiten Septemberwochenende 2001 vom 14. bis zum 16. September statt. Was im Laufe der Woche am 11. September passiert ist, dürfte jeder mitbekommen haben.
Trotzdem war Reinhards Treffen ein Erfolg.

Und so gab es im Jahre 2002 das zweite internationale Dieselmotorradtreffen. Jetzt in Hamm auf dem Gelände des Brauhof Wilshaus. Auch diese Location hatte Reinhard ausgekundschaftet.
Das Treffen wuchs, blieb aber trotzdem familiär und Reinhard baute weitere Dieselmotorräder. Zunächst seinen Flitzibitz und dann den Thrifter. Mit beiden Maschinen unternimmt er denkwürdige Reisen und Rekordfahrten die bis heute niemand nachgemacht hat. Mit dem Flitzibitz fuhr er 2005 in fünf Tagen vom Nordkap nach Gibraltar. 5676 Kilometer mit einem Verbrauch von 1,88l auf 100km. Weil er das aber ganz allein und ohne irgendein Servicefahrzeug gemacht hat betrug die Gesamtfahrstrecke 12050km, denn er musste ja erstmal hin zum Nordkap und dann auch wieder zurück von Gibraltar.

Reinhard neben Flitzibitz auf der Tour vom Nordkap nach Gibraltar

Mit dem Thrifter geht es dann auf eine deutlich weitere Reise. Zusammen mit Freund Dieter fast 15000km, ja – fünfzentausend Kilometer, Richtung Osten nach Waldiwostok. Einmal quer durch ganz Russland.

Reinhard auf Thrifter auf dem Weg nach Wladiwostok

Ebenfalls im Team mit Dieter absolvierten die beiden die Aufnahmeprüfung der Iron Butt Association – 1000 Meilen in 24 Stunden. Ganz genau 1666km in 22 Stunden. Ich habe die beiden an einer Tankstelle in Dortmund verabschiedet, habe sie einige Kilometer begleitet und 22 Stunden an der gleichen Tankstelle wieder in Empfang genommen und mit ihnen eine Pizza gegessen. All diese Geschichten finden sich auch in dem Buch „Dieselmotorräder„, für das er mir die Reiseberichte zur Verfügung gestellt hat und dessen Cover er ziert.

Reinhard mit Dieter beim Aufbruch zur Eisenarsch-Fahrt

Um diese Zeit hat sich Reinhard mit dem Innova-Virus infiziert. Diese mussten sich in Folge Seitenwagen anbauen lassen und wurden quer durch die Mongolei gefahren. Während viele nach immer größeren Motorrädern streben, tauchte Reinhard im letzten Jahr auf dem inzwischen 19.ten Dieselmotorradtreffen in Hamm mit einem Versicherungskennzeichen an einer chinesischen Honda-Kopie auf.

Er hat auf seine ganz eigene unaufgeregte Art sehr viel dafür getan, das sich sehr viele Leute noch sehr lange an ihn erinnern werden. Und ich bin ohne Zweifel einer davon. Ohne ihn hätte es wahrscheinlich nie ein Dieselmotorradtreffen gegeben. Ohne ihn hätten sich viele Leute nie getroffen die nun seit vielen Jahren befreundet sind. Ohne ihn gäbe es diese Webseite wohl nicht in dieser Form. Danke, Reinhard!

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